NDM-1 ein Superbakterium?
Im Dezember 2009 erkrankte ein Schwede an einer Bakterieninfektion. Es stellte sich heraus, dass diese Bakterien gegen alle intravenösen Antibiotika und gegen fast alle anderen Antibiotika resistent waren. Zunächst wurde der Patient in New Delhi behandelt. Als dort die Behandlung fehl schlug wurde der Mann nach Schweden überführt. Dort wurde der Krankheitserreger genauestens untersucht. Dabei fanden der Wissenschaftler Timothy Walsh heraus, dass ein Gen für die alamierende Antibiotikaresistenz verantwortlich war. Dieses Gen wurde New Delhi metallo-beta-lactamase (kurz NDM-1) genannt.
Mittlerweile ist dieses Gen in vielen Bakterienstämmen Asiens (wie Indien und Pakistan) isoliert worden. Doch auch in Europa, Amerika und Australien gibt es bereits infizierte Personen. Viele Patienten haben sich einer Schönheitsoperation in Indien oder Pakistan unterzogen . In den Krankenhäusern haben sie sich dann mit antibiotikaresistenten Bakterien infiziert. So gelangte das Gen auch nach Europa.
Die Indische Regierung wehrt sich gegen den Vorwurf, dass die neuen Superbazillen aus ihrem Land stammen. Der indische Gesundheitsminister bezeichnet es als unfair diesen Zusammenhang herzustellen. Sie argumentieren damit, dass NDM-1 in der Umwelt vorkommt. Tiere und Menschen würden dieses Gen in sich tragen.
In einer Studie, die ein Krankenhaus in Mumbai durchführte, stellte sich im März 2010 heraus, dass alle Bakterien, die gegen Carbapenem Antibiotika resistent waren, mit dem NDM-1 Gen ausgestattet waren. Die Gruppe der Carbapenem Antibiotika ist bisher sehr spärlich eingesetzt worden und war für den Notfall gedacht , wenn die meisten anderen Antibiotika versagen. Man rechnet damit, dass es mindestens noch zehn Jahre dauern wird, bis ein neues, wirkungsvolles Antibiotikum entwickelt wird. Da NDM-1 nicht an einzelne Krankheitskeime gebunden ist, kann auch kein Impfstoff dagegen entwickelt werden.
Da NDM-1 in jedem Bakterienstamm vorkommen kann, ist eine Identifizierung äußerst kompliziert. Erst wenn Resistenzen erkannt werden, wird auf NDM-1 untersucht. Bisher gibt es nur noch zwei Antibiotika, die NDM-1 Krankheiten aufhalten können. Dabei handelt es sich um Tigecycline und Colistin. Tritt das Gen allerdings in Bakterien auf, die gegen diese beiden Antibiotika resistent sind, gibt es derzeit keine Möglichkeit die Krankheit zu bekämpfen.
Ein international zusammengesetztes Team von Wissenschaftlern veröffentlichte im August 2010 eine Studie, die mehrere Fälle von NDM-1 Erkrankungen belegte. Dabei stellte sich heraus, dass allein in Großbritannien bisher 37 eindeutig mit NDM-1 infizierten Bakterien erkrankt waren. Die meisten Patienten, die sich eindeutig mit solchen Bakterien angesteckt haben, leben allerdings in Indien oder Pakistan.
Das Gen kann in vielen verschiedenen Bakterienstämmen auftreten. Bisher wurde es unter anderem in den gramnegativen Stäbchenbakterien der Gattung klebsiella pneumoniae sowie in escherichia coli Bakterien entdeckt.
Jede bakterielle Erkrankung birgt damit ein NDM-1 Risiko. Daher treten spezielle Symptome bei einer NDM-1 Infektion nicht auf. Erst eine Antibiotikaresistenz lässt eine solche Erkrankung vermuten. Gewissheit bringt dann eine Genanalyse. Stellt sich eine Infektion mit NDM-1 Bakterien heraus, muss der Patient isoliert werden. Ein hohes Maß an Hygiene ist notwendig um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Gelingt es uns nicht, das Gen frühzeitig zu bekämpfen droht möglicherweise eine Pandemie, die viele Tote fordert.